HAUS49 Hauptschul-Peers
Ausbildungsqualifizierung für
chancenlose Hauptschüler/innen in
Stuttgart (D)

Von der Stuttgarter Bevölkerung sind über
40% Migranten; bei den Stuttgarter
Kindern verfügen über 50% über eine
Migrationshintergrund (oft schon die 3.
Generation). Die größte Bevölkerungs-
gruppe stellen unsere türkischen
Mitbürger. Ihre Kinder besuchen zu über
60% die Hauptschule; bei deutschen
Kindern sind es gerade 10%, denen „nur“
die Hauptschul-Ausbildung bleibt.

Alle internationalen Studien (PISA-,
OECD-, SHELL-Studien) zeigen auf, dass

 
unser 3-gliedriges Schulsystem – bei dem die Kinder schon mit 9-10 Jahren (in der
4. Grundschulklasse) in den entsprechenden Schulzweig (Hauptschule, Realschule
oder Gymnasium) selektiert werden – zu Benachteiligungen im Ausbildungsweg führt,
von denen besonders Migranten-Kinder betroffen sind. Sogar der UN-Menschen-
rechtsrat hat die Ausbildungs-Diskriminierung der unterprivilegierten, sozio-
kulturellen Bevölkerungsschichten in unserer Gesellschaft angeprangert.


   

Die Hauptschul-Ausbildung ist eine
Sackgasse

Hauptschul-Absolventen (Abschluss in der
9. Klasse) haben bei der Suche nach
einem Ausbildungsplatz in der Wirtschaft
kaum Chancen, weil sie gegenüber den
Realschul-Absolventen (Abschluss in der
10. Klasse) und Gymnasiasten (12.
Klasse) kaum Bewerbungschancen
erhalten. So finden inzwischen nur noch
5-10% der Hauptschüler einen Ausbil-
dungsplatz, immer öfter ist es nicht einmal
ein Einziger. Das Graffity an der
Stuttgarter Rosensteinschule „Wissen
macht Spaß“ mag (hoffentlich) den
praktizierten Schulalltag wiedergeben, es
berücksichtigt jedoch nicht, wofür die

 

Hauptschüler/innen ihr erworbenes Wisseneinsetzen können.

Über 50% der Hauptschul-Absolventen der Rosensteinschule landen – da sie keinen
Ausbildungsplatz finden oder eine weiterführende Schule besuchen können – in der
Warteschleife des BEJ/BVJ („Berufs-Einstiegs-Jahr“ bzw. „Berufs-Vorbereitungs-
Jahr“), der dann direkt in die Arbeitslosigkeit führt (Hartz IV). Selbst unser
Bundespräsident bezeichnete diese Schulpolitik anlässlich eines Hauptschul-
Besuches als „Schande für Deutschland“, da sie den Hauptschul-Absolventen kaum
Chancen auf eine berufliche Ausbildung bietet, und damit eine gesellschaftliche
Integration der jugendlichen Migranten fast unmöglich wird.



   
Konzepte für bessere Ausbildungs-
chancen


Inzwischen wurde Perspektivlosigkeit und
Ausbildungs-Diskriminierung von Haupt-
schüler/innen von vielen staatlichen und
privaten Organisationen und Institutionen
erkannt. Immer mehr Modell-Projekte
werden aus dem Boden gestampft, die
jedoch fast alle nach 2-3 Jahren wieder
eingestellt werden müssen, weil eine
nachhaltige (Regel-) Finanzierung nicht
gewährleistet ist.

Der bundesdeutsche Staat (und insbe-
sondere die Länder, in deren Hoheit die
Kulturpolitik liegt) ist bisher nicht bereit,
den chancenarmen Schülern eine
 

„besondere Förderung“ zukommen zu lassen. Gerade die Ergebnisse der letzten
PISA-Studie zeigen am Beispiel „Finnland“, wie eine individuelle und umfassende
Förderung der Schwächeren den Gesamtschnitt hebt. Das ist zwar nicht der einzige
Grund, warum Finnland die Spitzenstellung im Schulvergleich belegt, aber ein
Wichtiger. Auch der Deutsche Schulpreis 2006 und der Deutsche Haupt-
schulpreis 2007
zeigen eindeutig, dass die integrative Arbeit in sozio-kulturell
gemischten Schulen zu weit besseren Ergebnissen führt als bei traditionell geführten
Schulen; denn dort wird den Pädagogen viel mehr Engagement abverlangt.

Obwohl wir es uns gerade angesichts der demographischen Entwicklung nicht leisten
können, auch nur ein einziges Kind ohne qualifizierte Ausbildung aufwachsen zu
lassen, wird von staatlicher Seite nicht in zusätzliche „Förder-Deputate“ und eine
unterstützende „Schul-Sozialarbeit“ zur Chancenverbesserung für die Schwächeren
investiert. Gerade an „Brennpunkt-Schulen“ wäre diese Zusatz-Investition in die
Ausbildung jedoch extrem wichtig, um der bisher praktizierten Ausbildungs-
Diskriminierung entgegen zu wirken.



   
Die „Hauptschul-Peers“ haben es
geschafft


Die Rosensteinschule im Stuttgarter
Nordbahnhof-Viertel ist eine „Brennpunkt-
Hauptschule“, deren Migranten-Anteil bei
über 80% liegt. Die Schul-Sozialarbeit
(1/2-Stelle) wird durch das Internationale
Stadtteilzentrum HAUS49
geleistet,
dessen Träger die Mobile Jugendarbeit
Stuttgart
ist (getragen durch Caritas und
Ev.Gesellschaft Stuttgart). Dort wird auch
die Hausaufgabenbetreuung für die Fünft-
und Sechst-Klässler geleistet, Mittag-
essen ausgegeben und verschiedene
Nachmittags-AG´s angeboten.

Peers (gleichaltrige Vorbilder) kennen die
 

Schwierigkeiten der nachfolgenden Hauptschüler-Jahrgänge und wurden durch
HAUS49 für eine 2-jährige, ehrenamtliche „Leader“-Funktion angeworben. Sie
kommen aus demselben Stadtteil, haben ihre Hauptschul-Ausbildung an der
Rosensteinschule abgeschlossen und sind in ihrem Beruf erfolgreich. Sie wollen ihr
Know-How „... und ich habe es trotzdem geschafft“ an die nachfolgenden Haupt-
schüler/innen weitergeben, gerade weil sie dem HAUS49 für die Unterstützung
während der Schulzeit sehr dankbar sind.

Für die betreuten Hauptschüler/innen sind ihre Peers „Freunde“, die ihnen bei Fragen
zur eigenen Lebensplanung sowie Berufsorientierung und –qualifizierung eng zur
Seite stehen. Sie helfen bei der Suche nach geeigneten Praktika- und Ausbildungs-
plätzen, motivieren zu einem erfolgreichen Schulabschluss und geben Hilfen bei der
Erarbeitung der persönlichen Lernstrategien. Sie helfen mit, dass auch die chancen-
armen Hauptschüler/innen „Erfolg im Leben“ haben können.



   
Hauptschul-Modellprojekt „Freunde
schaffen Erfolg“


Jeweils 2-3 Schüler/innen der Rosenstein-
schule
wurden von den acht Peers seit
Feb´06 an die Hand genommen, so dass
20 der 44 Achtklässler ab dem 2. Halbjahr
am Modellprojekt „Freunde schaffen
Erfolg“ teilhaben. Der zweite, nach-
folgende Achtklässler-Jahrgang wird ab
Mai´07 durch weitere, neu rekrutierte
Peers betreut. Generell ist von einem
„Coaching-Bedarf“ bei ca. 50% der
Hauptschüler/innen auszugehen.

Eine Projektleiterin aus dem HAUS49 (1/2-
Stelle) koordiniert, organisiert und
dokumentiert das Projekt und akquiriert
 

die Ausbildungsplätze bei den Unternehmen im Umkreis. Sie ist für die Umsetzung
und Weiterentwicklung des Projektes verantwortlich und arbeitet eng mit den
Lehrern und der Schulleitung zusammen. Sie rekrutiert die Peers und koordiniert die
Peer-Trainings und Gruppentreffen.

Letztendlich liegt es in den Händen der Projektleitung, ob es zu der angestrebten
Partnerschaft „Unternehmen – Jugend-Sozialarbeit – Hauptschule“ kommt. Denn nur
die enge und vertrauensvolle Kooperation dieser Partner wird einen nachhaltigen
Erfolg zeitigen. Immerhin hat die Alfred Toepfer Stiftung F.S.V. in Zusammenarbeit
mit dem BDA(Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber) die Rosensteinschule
im Dez´06 für „ die gute Idee“ dieser Chancenverbesserung für Hauptschüler/innen
prämiert.

Z iel des Modellprojektes ist es, den hohen 50%-Anteil der „BEJ/BVJ-Abgänger“ aus
der Rosensteinschule, die schon als 15-Jährige kaum mehr eine befriedigende
Lebensperspektive entwickeln können, auf unter 25% zu drücken.



   

Gemeinsam unterstützen mehrere
Stuttgarter Stiftungen das
Modellprojekt

Als eine der im Initiativkreis Stuttgarter
Stiftungen
aktiven Stiftungen hat die
Louis Leitz Stiftung im Jahr 2003 den
Stiftungskreis „Chancen für Bildung und
Arbeit“
ins Leben gerufen. Dort kam dann
Ende 2005 der Wunsch auf, sich
hinsichtlich der schwierigen Integration
von Migranten in unsere Gesellschaft
gemeinschaftlich zu engagieren und den
(von unserem Schulsystem) benach-
teiligten Jugendlichen mit Migrations-
hintergrund bessere Chancen zum Einstieg
ins Erwerbsleben zu verschaffen.

 
Während verschiedener Expertenrunden zum Thema „gesellschaftliche Integration
von Migranten“ kam der Kontakt mit dem Leiter des vielmals preisgekrönten
Internationalen Stadtteilzentrums HAUS49, Gökay Sofuoglu, zustande, der das
Hauptschul-Modellprojekt „Freunde schaffen Erfolg“ gerne als Projektträger
durchführen und erproben wollte. Daraufhin wurde eine 2½-jährige Modellphase an
der „Brennpunkt-Hauptschule“ Rosensteinschule konzipiert und durch den
Stiftungskreis „Chancen für Bildung und Arbeit“ sowie die Stabsstelle „Integration“
der Stadt Stuttgart
finanziert.

Nach den ersten, positiven Erfahrungen mit dem Pilotprojekt Rosensteinschule soll
das Erfolgsmodell schrittweise auf weitere „Brennpunkt-Hauptschulen“ übertragen
werden. Es wurde schon jetzt deutlich, dass durch die integrative, erfolgreiche
Stadtteil- und Familienarbeit des HAUS49 eher ideale Voraussetzungen für die
Durchführung des Modellprojektes „HAUS49 Hauptschul-Peers“ vorliegen, die an
anderen Hauptschulen so nicht vorhanden sind. Deshalb ist der Aufbau einer
„Ehemaligen-Kultur“ (zur Gewinnung der Peers) sicherlich eine der wichtigsten
Erfolgs-Voraussetzungen.
 
 
Was können Sie zum Erfolg beitragen?

Wir suchen Stuttgarter Unternehmen,
die qualifizierten und motivierten Haupt-
schüler/innen die Chance auf einen
geeigneten Ausbildungsplatz ein-
räumen. Wir wollen sie als „Company
Partner“ für unser Modellprojekt „Freunde
 

schaffen Erfolg“ gewinnen und im Gegenzug dafür Sorge tragen, dass diesem
Partner-Unternehmen leistungsbereite, flexible und lernwillige Mitarbeiter vorgestellt
werden.

Darüber hinaus können Sie uns auch eine größere, jährliche Spende (möglichst
über 3 Jahre) zukommen lassen, die Ihr Unternehmen als „Kooperationspartner“
qualifiziert.

In den Werbemitteln „Freunde schaffen Erfolg“ und in der Schule wird
Ihr Unternehmen entsprechend gewürdigt, so dass ein Werbeeffekt hinsichtlich Ihrer
„unternehmerischen Sozial-Verantwortlichkeit“ (CSR- Corporate Social
Responsibility“
) entsteht. Für Ihre eigenen werblichen Aktivitäten (z.B. anlässlich
Ihrer „Weihnachtsspende“) können Sie dann auch Ihrerseits das Logo „Freunde
schaffen Erfolg“
verwenden.

Aber auch kleinere Einmalspenden geben uns einen größeren Spielraum, um mit
den Hauptschülern und ihren Peers zusätzliche Gruppen-Aktivitäten durchzuführen.

Bei Spendenüberweisungen an die Louis Leitz Stiftung geben Sie bitte neben den
vollständigen Adressdaten das Stichwort „FREUNDE...“ an, damit wir Ihnen eine
Zuwendungsbestätigung zuschicken können.


Warum gerade HAUS49 Hauptschul-Peers?

„Ich engagiere mich gerne als Projektpatin für dieses innovative Hauptschul-
Modellprojekt, da ich durch die Diskussionen im Stiftungskreis „Chancen für Bildung
und Arbeit“
ganz konkret auf die Problematik des deutschen „3-gliedrigen Schul-
systems“ mit seiner vorprogrammierten Chancen-Ungleichheit gestoßen wurde.
Außerdem lerne ich so viele engagierte Bürger und Institutionen kennen, die sich
„mit Herz und Seele“ dem Thema „verbesserte Integrations-Chancen für Migranten“
verschrieben haben.

Bei der Louis Leitz Stiftung habe ich (als Stiftungsvorstand) das Glück, dass unsere
Stifter/innen und der Stiftungsrat dieses Hauptschul-Projekt in unserer Heimatstadt
als das zur Zeit Wichtigste und Brennendste ansehen. Die Hauptschule ist in
Deutschland das unterste Glied deutscher Lernkultur, das zu soziokultureller
Benachteiligung auch und insbesondere auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
führt. Wer (Schul)bildung und Ausbildung besitzt und Arbeit hat, wird sich mit seiner
kulturellen und sozialen Umgebung identifizieren können; er ist im Land, in dem er
lebt, meist erfolgreich integriert und in der Lage, an gesellschaftlichen Prozessen
teilzuhaben, ohne dabei seine eigene Identität aufgeben zu müssen.

Die wegweisenden, hochengagierten Hauptschul-Peers, die ich persönlich kennen
lernen konnte, zeigen für die (von unserem Schulsystem) benachteiligten
Jugendlichen mit Migrationshintergrund einen Weg aus der Perspektivlosigkeit; sie
machen Mut, wenngleich auch sie das diskriminierende System nicht verändern
können. Auch dafür setze ich mich weiterhin gerne ein, damit die vielen Initiativen
von Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen und auch die vielen Anstreng-
ungen der Hauptschulen „Schule machen“ – für neue oder veränderte, nachhaltige
Wege zu einer gerechteren und zukunftsversprechenden Schul- und Ausbildung für
„alle jungen Menschen“ – unabhängig ihres kulturellen Hintergrundes. Helfen Sie uns
dabei, Schule zu machen!“

Margit Leitz, Projektpatin HAUS 49 PEERS
margit.leitz@LLstiftung.de